Farbverlauf SprinterEin sauberer Graukeil ohne Schatten oder Wolken über eine Länge von 2,5m ist keine leichte Aufgabe und mancher Lackierer verzweifelt daran. Wenn dann aber noch der helle Ton aus einem Perlmuttbasislack besteht wird es es besonders schwierig. Wie wir diese Aufgabe an einem Sprinter für Daimler Chrysler anläßlich der IAA meisterten können Sie hier sehen.

Farbverlauf Sprinter
Sprinter Innvationsträger Sicherheit Farbverlauf für Daimler Chrysler

 

Anläßlich der IAA 2004 sollte für Daimler Chrysler ein Einsatz in einer Seitenwand des Sprinter "Innovationsträger Sicherheit" lackiert werden. Das Muster wurde von einer Lackiererei erstellt, konnte aber im Ergebnis nicht befriedigen. Also mußte jemand her der Farbverläufe, in diesem Fall ein Grauverlauf, umsetzen kann. Ein Airbrusher wurde gesucht, und Dank Suchmaschine gleich gefunden.

Die Problematik war das die Grundfarbe des Fahrzeuges kein Weiß sondern Perlmutt war. Da Perlmutt aber nicht deckt, sondern auf einem farbigen Untergrund aufgetragen wird war der Schwierigkeitsgrad noch höher. Für einen Lackierer der selten Farbverläufe lackiert mußte der Versuch einfach Schwarz nach Weiß bzw. Perlmutt zu vernebeln in einem wolkigen Desaster enden, um es übertrieben darzustellen. Unsere Vermutung war richtig als wir das Objekt vor Ort besichtigten. Das Musterteil der Lackiererei so wie einen digitalen Ausdruck des Fahrzeuges nahmen wir mit. Grauverläufe sind schwer zu realisieren weil man dazu neigt entweder zu dunkel oder zu hell zu arbeiten oder die Übergänge zwischen Grauwerten zu stark sind. Wer einmal einen Farbverlauf digital mit 256 Graustufen erstellt hat erkennt selbst in der Vergrößerung leichte Streifen. Umso schwieriger ist natürlich ein echter Grauverlauf mit Lack. Zusätzlich ist die Fläche mit kugelförmigen Ausformungen versehen. Diese hätten auch noch zusätzlich einen Schattenwurf beim spritzen produzieren können. Wie wir das realisiert haben sehen Sie an den folgenden Bildern
Muster der Lackiererei Ein Teil des Musters wie es eine Lackiererei versuchte umzusetzen. Deutlich ist eine Wolkenbildung zu erkennen. Auf einer Fläche von 3m Länge ist so kein fließender Übergang zu erzeugen.
Farbmuster Also entschlossen wir uns vorab ein Muster zu erstellen auf dessen Basis die Arbeit ausgeführt werden sollte. Wir mischten erst einmal 8 Zwischentöne aus Schwarz und Weiß ohne darauf zu achten das die Grundfarbe Perlmutt ist. Dieses Problem mußte anders realisiert werden. Wie sich später herausstellte sollten die 8 Töne nicht ausreichen. Darauf waren wir schon vorbeitet und haben soviel Material angemischt das es vor Ort möglich sein sollte aus dieser homogen verlaufenden Palette nochmals Zwischenstufen auszumischen. Die Muster wurden über ein Wochenende ausgearbeitet, da die Umsetzung aufgrund bestehender Termine schnell erfolgen mußte.

Damit der Lack feiner vernebelt, wurden die Töne die aus lösemittehaltigen Basislack bestanden mit einem 1K Klarlack der Firma Spies Hecker verdünnt.
Farbmusterkarte Da wir einen digitalen Ausdruck des Fahrzeuges hatten machten wir eine kleine paßgenaue Papierschablone um diese später auf dem Entwurf zu plazieren um die Wirkung der Töne begutachten zu können. Diese kleine Abbildung der Seitenwand wurde in gleiche Strecken unterteilt um einen Anhaltspunkt für die Überhgangspunkte beim spritzen zu haben.

Man sieht an den einzelnen Bildern sehr deutlich wie sich der Farbverlauf von hell nach dunkel aufbaut. Auf Bild 6 ist noch nicht das endgültige Dunkelgrau/Schwarz zu sehen.
Musterplatte Auf der oben gezeigten Musterplatte klebten wir einen Teil ab um darüber unsere Töne zu applizieren. Man muss dazusagen das es nur ein Teil des urwsprünglich 3 teiligen Musters ist. Da uns aber in erster Linie auch die Struktur wichtig war reichte 1 Teil aus.
Musterplatte fertig Hier ist nun die fertige Musterplatte zu sehen. Der Verlauf ist auf dem kleinen Stück schon recht gleichmässig abgestuft. Die Unterschiede zu dem wolkigen unteren Teil kommen klar heraus.
Entwurf Wir klebten das Farbmuster auf den Entwurf und dieser sagte dann nach kurzer Emailansicht und telefonischer Rücksprache auch den Entscheidungsträgern bei Daimler Chrysler zu. Damit konnten wir nach reichlicher Vorarbeit zur Tat schreiten und den Verlauf auf dem Fahrzeug umsetzen.
Der Sprinter abgeklebt In der Spritzkabine der Entwicklungsabteilung wurde am Fahrzeug die gleiche Strecke maßstabsgerecht markiert. Wenn man direkt vor so einem großen Objekt steht verliert man sonst recht schnell denn Überblick. Die Grundfarbe war bereits Perlmutt. Wir legten die 8 Farbtöne an wobei wir uns mit den Übergängen an die Markierungen hielten. Wie erwartet stellte sich heraus das die Übergänge nicht fein genug sind. Also mischten wir nochmals Zwischentöne vor Ort und brachten diese auf. Durch die Fenster der Kabine wurde der Vorgang nochmals von aussen beobachtet weil aus einer anderen Sicht die Wirkung oft anders ist als wenn man direkt davor steht. Weil der Grundton Perlmutt war und wir den Verlauf von Schwarz nach Weiß anlegten übernebelten wir anschließend von Weiß her die Fläche mit Perlmut. Dadurch drifftete dann das reine Weiß in diesen cremeartigen Grundton des Perlmutt ab und der Verlauf kam zu seinem endgültigen Ergebnis.
Sprinter abgedeckt und fertig Nachdem das Ergebniss nach unzähligen Zwischenschritten zufriedenstellend war wurde die Fläche noch mit Klarlack versehen. Nach dem Trochnen und Abdecken konnte man nun das ferige Ergebnis sehen. Es fiel so aus wie geplant. So konnte das Fahrzeug rechtzeitig für die Pressevorstellung fertiggestellt werden, denn auch hier drängte die Zeit und wir konnten dazu beitragen das Termine eingehalten werden.