touratech 1Kurzfristig wurden wir beauftragt einen Touratech Carbonhelm nach einem Entwurf für die Firma Touratech in Niedereschach zu gestalten. Der Helm wurde uns zerlegt (soweit es geht) übergeben und aufgrund des kurzfristigen Termins ging es gleich an die Arbeit. Da der Entwurf zweidimensional am Computer entstanden ist, der Helm aber rund ist und dazu noch konkave Wölbungen hat waren etliche Anpassungen nötig die sich während der Arbeit ergaben.

 

  

touratech 2Um den Aufwand einer einfach aussehenden Helmlackierung zu zeigen haben wir den Vorgang einmal dokumentiert.
Zuerst wurde der Helm sauber abgeklebt. Die Gummis und Lüftungsschlitze sind eingeklebt und lassen sich in der Regel nicht unbeschädigt entfernen.
Das Klebeband wird dazu über die Dichtungen gelegt und sauber angedrückt so das sich der Übergang Dichtung (Lüftungsschlitz) unter dem Klebeband abzeichnet. Dann wird das überstehende Klebeband vorsichtig mit einem scharfen Messer abgetrennt ohne den Untergrund oder die Dichtung zu verletzen. Vor dem eigentlich Dekorauftrag kann man die Kanten noch einmal mit Linierband abdecken welches man vor dem Anziehen des Klarlacks entfernt um ein späteres abreissen des Lackfilms im Bereich Dichtungen (Lüftungsschlitze) zu vermeiden.


touratech 3Jetzt wird der Carbonhelm gründlich angeschliffen. Hierzu wurde einen Körnung 800-1000 genommen. Vertiefungen in Sicken oder im Bereich Dichtungen wurden mit einem feinen Schleifpad nachgearbeitet damit auch wirklich überall eine gute Haftung vorhanden ist.
Die Bohrungen der Gewinde bestückt man entweder einfach mit passenden Schrauben oder deckt sie mit geplotteter Folie ab wie auf einem folgenden Bild zu sehen ist.
Nach dem anschleifen wird alles mit Silikonentferner gereinigt und das Abgeklebte nochmals kontrolliert.

 

 

touratech 4 Dann wurde der Helm mit einem weissen lösemittelhaltigen Basislack umgefärbt. Man kann auch wasserbasierenden Basislack verwenden, sollte dann aber einen 1 K Klarlack als Zwischenschicht verwenden um unschöne Spuren des Acrylatklebers der Schablonenfolien auf dem Basislack zu vermeiden. Neue wasserbasierende Basislacke sind zwar dafür geeignet aber ein Restrisiko das er noch nicht vollständig durchgetrocknet ist bleibt und die längeren Wartezeiten verzögern ein zügiges Arbeiten.

 

 


touratech 5Der Basislack ist relativ schnell trocken, so das mit einem einfach Papierausdruck ungefähr die Größe der Schablonen ermitteln kann.
Man sieht auch schon wie knitterig es wird wenn  man versucht eine zweidimensionale Schablene aufzubringen.

 

 

 

  

touratech 6Hier ist bereits die Landkarte Frankreichs in einem hellen grau aufgebracht. Auch diese Schablone mußte eingeschnitten werden um ein Knittern zu vermeiden. Dazu wurden Bereiche eingeschnitten die später durch eine andere Farbe abgedeckt werden. In diesem Fall links, wo das Gelb hinkommt.

 

 

 

 

 


P1440026Dann wurde Grau für das Gelb maskiert. Gut erkennbar auch hier einige Einschnitte um die Schablone den Wölbungen anzupassen. Die angrenzenden Bereiche werden großzügig
 mit Papier abgedeckt.
Zwischendurch muss die Schablone immer wieder mal angedrückt werden. Da das Gelb einige Gänge braucht bis es deckt muss man des öftern wieder andrücken oder vorsichtig mit einem Heißluftfön die Folie leicht erwärmen. Dann wird der Kleber wieder aktiviert, die Folie dehnt sich etwas und paßt sich besser an.

 

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Ein paar Spritzgänge weiter sind bereits die gelben Bereiche fertig. Auf der dunklen schablonenfolie sieht man das daß Gelb nicht sonderlich gut deckt. Seit vielen Jahren sind bleihaltige und andere giftige Pigmente aus Farben verbannt so das diese etwas an Deckkraft eingebüßt haben.

 

 

 

 

 

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Nun kommt der erste Schriftzug dran. Auch hier kann man Einschnitte erkennen die dann abgedeckt werden müssen. Bei Einschnitten mit sehr knappen Abständen wird dazu einfach Linierband mit 3mm verwendet.
Der Schriftzug wurde leicht gekrümmt der Kontur angepaßt damit er nicht optisch seitlich abfällt.

 

 

 

 

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Hier ist bereits die 5 angebracht. Beide Zahlen wurden einzeln gesetzt da es in diesem Bereich nicht nur eine Krümmung und Absatz im Helm gibt sondern zusätzlich eine Kante nach vorne. Daher war es einfache beide Zahlen einzeln zu setzen um die Schablone besser positionieren zu können. Mit Wärme kann man sie noch leicht dehnen.

 

 

 

 

P1440032Aud diesem Bild ist bereits die 1 angebracht. Die Zahlen wurden nach dem ersten Entwurf noch etwas abgeändert um sie klarer als Zahlen erkennbar zu machen.

 

 

 

 

 

 

 

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Fast zum Schluß kommen noch die Koordinaten auf den Helm. Diese orientieren sich an der unteren Kante des gelben Bereichs welcher der Kante des Helms folgt. Auch diese Schablone wurde geteilt um besser der Krümmung folgen zu können und einen gleichmäßiggen Randabstand zu gewährleisten. Man könnte von responsive Design sprechen :-)
Danach wurden nochmal rechts und links das Touratech Logo in schwarz auf weissen Grund angebracht.

 

 

 


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Hier der Helm kurz vor dem ersten Klarlackgang. Nochmals wird alles auf Unternebelungen geprüft und gegebenenfalls nachgearbeitet. Dann noch gut mit Staubbindetuch vorsichtig abreiben und erstmal 2 Lagen 2 K Klarlack auf den Helm.


Dieser wurde dann noch mit Körnung 1200 zwischengeschliffen und nochmals 2 Gänge 2K Klarlack gespritzt. Am Ende noch Finish gemacht. Das heißt den Lack auf Einschlüße überprüft, Klebebänder entfernt und Gummis von evtl. kleineren Lackresten gesäubert die es gewagt haben unter die Folie bzw. das Abdeckband zu kommen. Da auf Gummi keine Farbe hält kann man das recht leicht mit dem Fingernagel oder einer stumpfen Klinge entfernen. Wie man sieht steckt doch eine Menge Arbeit mit etlichen Stunden in so einem Helm. Wir hoffen der neue Besitzer hat viel Freude damit.